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Kompositionsstil
Günter Raphael war ein außerordentlich vielseitiger und fruchtbarer
Komponist; er hinterließ zahlreiche sinfonische Werke, Oratorien
(Requiem), Sologesänge, geistliche und weltliche Chormusik, Orgelwerke
und ein reiches Kammermusik-Ouevre.
Sein Werk ist durch die ständige Auseinandersetzung mit der Tradition
gekennzeichnet. Dabei fand er im Laufe der Zeit seinen Stil von unverwechselbarer
Eigenheit, dem üppigen Klang und der Polyphonie in gleicher Weise
verpflichtet. Seine Musik strahlt eine starke geistige Konzentration aus,
nicht zuletzt durch das eminente kontrapunktische Können, und der
Freude Raphaels an einprägsamer Melodik verbunden mit klarem Formsinn,
und andererseits sehr phantasievoller, rhythmischer Vielfalt.
Trotz schwersten Schicksals ist sein bei Freunden und Schülern allseits
bekannter Humor unüberhörbar in vielen seiner Werke, auch wenn
die "stumme Periode seines Lebens" mehrfach deutlich depressive
Spuren hinterlässt.
Sein F r ü h s t i l , sicherlich teilweise der Tradition verbunden, lässt
die Musikwelt schon wegen der sehr persönliche Thematik und seiner
vielseitigen Verarbeitungskunst aufhorchen.
Die Weiterentwicklung zu einem ganz eigenen, unverwechselbaren Stil ist Ergebnis einer auch unter teilweise schlimmsten Bedingungen unaufhörlichen
Schaffenskraft. Die Werke Anfang der 40er Jahre sind gute Beispiele für diesen P e r s ö n l i c h k e i t s s t i l .
Sein S p ä t s t i l zeigt eine Annäherung an die Zwölftonmusik, die er allerdings selbst bezeichnender Weise "Tonalen Zwölfton"
nennt. |
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Kommentare
von Straube, Furtwängler, Abendroth, Teichmüller,
Stockmeier (MGG), und Gudger (New Grove Dictionary)
Karl Straube, Thomaskantor, 1924:
Herrn Günter Raphael ... kenne und schätze ich als eines der
stärksten Talente
unter der jungen deutschen Musikergeneration. Seine mir bekannten Kompositionen,
alles Werke großer Form, deren Veröffenlichung in den Verlagshäusern
N. Simrock - Berlin und Breitkopf & Härtel - Leipzig jetzt beginnt,
zeugen klar und deutlich von einer Begabung ersten Ranges! ... Es handelt
sich bei ihm ... um eine der großen Hoffnungen für die Zukunft
der deutschen Musik!
Wilhelm Furtwängler, 1936:
Günter Raphael ist eines der besten Talente der
jüngeren deutschen Generation, ein Musiker, der eine ungewöhnliche
Beweglichkeit der Phantasie und ein großes wirkliches Können
besitzt. Wir haben zweifellos noch viel Gutes von ihm zu erwarten.
Hermann Abendroth, 1936:
Günter Raphael, einer aus der jungen Komponistengeneration, der wirklich
etwas zu sagen hat, dem aber auch viel einfällt. Ihn aufzuführen
bedeutet für mich immer eine wahre Freude.
Robert Teichmüller, 1937:
Günter Raphael gehört als Komponist in die vorderste Reihe des
Musiklebens. Nicht nur durch seine kirchlichen Kompositionen, sondern
ebenso als Schöpfer von Kammermusik und Orchesterwerken hat er die
schönsten Zeugnisse seines großen Könnens und seiner reichen
künstlerischen Schaffenskraft gegeben, die uns noch zu großen
Hoffnungen berechtigen ... .
Während der acht Jahre gemeinsamer Tätigkeit am Landeskonservatorium
der Musik Leipzig hatte ich immer wieder Gelegenheit, mich auch von seinen
hervorragenden Gaben als Pädagoge zu überzeugen: ein meisterhafter
Lehrer des Kontrapunktes, der Harmonielehre, des Partiturstudiums und
Literaturunterrichts, sowie aller musikalisch-theoretischen Gebiete.
Wolfgang Stockmeier, MGG:
Raphael war ein außerordentlich vielseitiger und fruchtbarer Komponist,
der zu fast allen musikalischen Gattungen Beitrag geleistet hat. Obwohl
er als reiner Instrumentalkomponist begann, betrachtete er selbst die
Chormusik als Zentrum seines Schaffens. Sie umfasst sowohl anspruchsvolle
doppelchörige Werke mit oder ohne Orchester (Requiem), als auch kleine,
für den liturgischen Gebrauch bestimmte Motetten und Liedsätze.
Raphael erzielt den stärksten Ausdruck, wenn es um die musikalische
Darstellung aufrüttelnder apokalyptischer Texte geht. Diese Tatsache
hat das Wort vom prophetischen Geist seiner Musik (O. Riemer) hervorgebracht.
Anfangs Brahms und Reger verpflichtet, gestaltete er während der
Meininger Zeit seinen Stil im Sinne einer neuen Diatonik durchaus eigener
Prägung um. Gleichzeitig wurde die Rhythmik lebendiger und eigenwilliger.
Der Humor Raphaels zeigt sich in schönster Weise in der Palmström-Sonate
op.69. Die Tatsache, dass ihr in der Orgelsonate op.68 ein mit weltanschaulicher
Problematik belastetes Werk voraufgeht, ist ein eindrucksvoller Beleg
für des Komponisten geistige Spannweite.
William D. Gudger, New Grove Dictionary:
Die einzige Gattung, der sich Raphael als Komponist nicht zugewandt hat,
war die Oper. Neben zahlreichen Chor- und Orgelwerken für den liturgischen
Gebrauch schuf er viele Werke für Kammerensemble und Orchester, die
mitunter zu seinen originellsten zählen.
Das Schaffen Raphaels lässt sich in drei Perioden unterteilen. Bis
1934 war er dem spätromantischen Stil Brahmsscher und - vor allem
wegen des starken Gebrauchs von Chromatik - Regerscher Prägung verpflichtet.
Das Meisterwerk dieser Periode ist das Requiem op.20; seine fünf
Sätze, die zum Teil eine progressive Tonalität aufweisen, kreisen
um die Tonarten G-Dur/moll und H-Dur/moll und deren Dominanten.
Die zweite Periode - die des Exils in Meiningen und Laubach - war eine
Zeit des Übergangs. Diatonik, Modalität, rhythmische Ostinati
und ein durchsichtiger Aufbau fanden allmählich Platz in der Musik
Raphaels, der jetzt seine Vorbilder noch weiter in der Vergangenheit suchte:
bei Bach (Solo-Sonaten op.46) und Schütz (Geistliche Chormusik, 1938).
Die letzten 15 Jahre seinen Lebens bilden die dritte Periode, gekennzeichnet
durch die Vervollkommnung des neuen Stils und dessen Ausweitung sogar
in den Bereich der Dodekaphonie. Die 12-Ton-Reihe nimmt hier meist die
Funktion eines Ostinato an; im Gesang der Erzengel op.79 zum Beispiel
sind die 12 Töne zu einem Ostinato gegliedert, während sie in
der Sonate für Bratsche op.80 Themen innerhalb des ersten und dritten
Satzes bilden.
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